FAQ erster Teil: Aufzucht und Haltungsbedingungen

Wie und wo werden die Ferkel geboren und zu uns auf den Hof geholt?
Hier haben wir das Glück, dass unser Ferkel-Lieferant Heiko Greis nur 10 Minuten entfernt in Tann-Mollartshof zu Hause ist. Er hält dort ca. 12 Muttersauen, ein kleiner Betrieb wie wir – und das ist gut so. Alle 8 Wochen wird der Vieh-Anhänger angespannt, um genau 18 Ferkel bei Heiko abzuholen. Jede Menge Stroh muss in den Anhänger rein und dann hoffen alle, dass diese kleinen neugierigen Biester von alleine rein laufen. Das ist nicht immer so einfach, weil die Ferkel auf den 20 Metern bis zum Anhänger jede Menge Unsinn machen. So muss das ein oder andere Ferkel doch etwas angeschubst werden, bis es sich schließlich im Anhänger wieder findet. Wenn die wüßten, welch riesige Box auf sie wartet, dann gäbe es kein Zögern. Im Moment sehen sie aber nur den Anhänger – und der ist nicht sonderlich einladend …!
So, jetzt vorsichtig fahren und ab nach Hause. Das Ausladen und rein bringen in die Box läuft meist problemloser ab, weil die Neugier groß ist und die Ferkel sich den richtigen Weg schon suchen, um dann aufgeregt die neue Umgebung zu erkunden.  
Auch bei Schweinen gibt es gesetzliche Meldepflichten, d.h. in einer zentralen Tier-Datenbank muss ich nach der Abholung der Ferkel melden, dass ich 18 Schweine von Heiko Greis übernommen habe. Warum? Es muss in der Fleischwirtschaft immer nachvollziehbar sein, woher die Schlachtschweine und woher die Ferkel kamen. Die Ohrmarken verraten dabei schon den Betrieb, auf dem die Ferkel geboren wurden.

Wie sauber ist es in unserem Stall?
Schweine sind sehr reinliche Tiere und würden sich NIE NIE NIEMALS in ihren eigenen Kot und Urin legen. Es sein denn, sie müssen es, weil kein Platz da ist, wie in den heute üblichen riesen-großen Mastställen.

Und bei uns? Schweine er-riechen mit ihrer hochsensiblen Nase die sauberen Plätze - und genauso die Kot-Plätze. Auf dem Beton-Spaltenböden im großen Maststall riecht es überall gleich, die Schweine haben keine Chance, einen Unterschied zu erkennen zwischen Liegeplatz und Kotplatz und müssen sich zwangsweise irgendwo hin legen. Ganz und gar nicht art-gerecht ….! Das aus den Gülle-Kanälen aufsteigende Ammoniak schädigt die Atemwege der Schweine – das nur nebenbei erwähnt.
Bei uns ist der Kotbereich im Auslauf (der ist zwar überdacht, aber voll auf der Wetterseite) und der Liege- und Fressbereich im Stall. Dazwischen gibt es eine Tür, die im Winter auf einen Schlupf von 50 mal 90 cm verkleinert wird, um die kalte Zugluft draußen zu halten. Wenn die Ferkel neu bei uns ankommen, sagt ihnen ihre empfindliche Schweine-Nase sofort: hier ist der Kotbereich. Im Liegebereich streuen wir erst Mal einen Berg an frischem Stroh ein, was toll riecht und aus dem man tolle Höhlen bauen kann. Das Schwein weiß sofort: hier ist der Platz zum Schlafen&Spielen.
Diese klare Trennung in Liegeplatz und Kotplatz klappt ab dem Einstallen neuer Ferkel sofort.  Die Ferkel sind also vom ersten Tag an stubenrein … das hat bei eurem Hund oder eurer Katze etwas länger gedauert, oder?

Übrigens: die Einrichtung moderner Mastställe besteht ja fast ausschließlich aus Edelstahl (Gitter-Abtrennungen) und Kunststoff-Paneelen. Richtig einladend und gemütlich sieht das nicht aus. Auch das ist bei uns anders: Alle Abtrennungen sind aus Holz-Bohlen&Kanthölzern, an denen sich die Schweine noch herrlich scheuern können. Dadurch dass es im Stall drinnen kein Kot und Urin der Schweine gibt, kann man wunderbar mit Holz arbeiten. Der Boden besteht bei uns aus Beton, dieser wird aber aufgeraut, so dass sich eine sehr griffige Oberfläche ergibt, auf der die Tiere nicht ausrutschen. Bei den täglichen Schweine-Wettrennen ist das auch besser so …. !

Im Sommer liegen die Schweine bei euch aber auch manchmal auf dem nackten Beton, wieso das denn?

Die Bodenplatte aus Beton hat gerade im Sommer noch große Vorteile: der Beton ist durch den Kontakt zu tieferliegenden Erd-Schichten viel kühler als die warme Sommerluft und so können sich die Schweine gut drauf abkühlen. In dieser Zeit wird auch weniger Stroh eingestreut, so dass man die Schweine oft auf dem blanken Beton liegen sieht – die wissen schon warum …!

Wie leben die Schweine bei uns am Hof?
Schweine ruhen und schlafen verdammt viel. Bei der Fütterung (3 Mal am Tag) herrscht Trubel und Hektik, davor und danach wird viel ausgeruht. Der Hauptantrieb für Schweine, sich dann trotzdem mal zu bewegen ist, wenn sie ihr Geschäft verrichten (bitte nach draußen gehen), wenn sie trinken wollen (Tränken sind leider auch draußen) oder wenn sie ihre unbändige Neugier ausleben. Denn wenn irgendetwas draußen passiert (Pferde laufen vorbei, Bulldog wird angelassen, Stimmen von Tier oder Mensch, Grunzen aus der Nachbarbox, Regen oder Schnee fällt), dann zieht es sie unweigerlich nach draußen – ganz einfach um zu schauen, was los ist. Wenn man kalkuliert, dass ein Schwein 40 mal am Tag diese 15 m langen Weg zurück legt, sind das 600 Meter am Tag und ca. 100 km in ihrem gesamten Leben. Wie viel sich ein Schwein in einer Box mit Spaltenböden bewegt, könnt ihr euch selber ausrechnen. Dort gibt es für die Schweine absolut keinen Anreiz, sich zu bewegen, denn alles ist überall gleich.
Außerdem lieben die Schweine die Sonne, eine Tatsache, die wir so auch nicht auf der Rechnung hatten vor dem Bau unseres Offenstalls. Es ist schon komisch, wenn ein Schwein bei  minus 5 Grad freiwillig draußen in der Sonne liegt statt drinnen im warmen Strohnest! Gegen direkte Sonneneinstrahlung schützt aber das Dach, denn Schatten ist im Sommer wichtig, auch Schweine könnten Sonnenbrand kriegen.

Und wie geht es den Schweinen bei brütender Sommer-Hitze?

Die Schweine suchen sich den kältesten Platz im Stall, bei hoch-sommerlichen Temperaturen ist das dann oft innerhalb des Stalls. Sobald ein kühler Wind geht, dann doch lieber draußen und legen sich auf dem kalten Boden. Eine kleine Wasserdusche gibt es an heißen Tagen auch manchmal. Kein echtes Bad für die Schweine aber eine willkommene Abkühlung.

FAKT IST: Das Schwein sucht sich seinen besten Platz raus, egal ob Sommer oder Winter, ob Tag oder Nacht. Sie können sich bei uns frei bewegen und sie tun es auch. Sie nutzen die Klimareize aus und halten sich dort auf, wo es ihnen gerade am wohlsten ist. Für uns als Halter der Tiere heißt das: einfach gehen lassen.

Auslauf nach draußen ist ja toll – aber was ist im Winter bei -15 Grad, gibt es da eine Heizung?
Eine Heizung gibt es: das sind die Schweine selber - so komisch sich das auch anhört. Aber der Reihe nach: Unser Stall teilt sich in Auslauf und Innenbereich. Im Winter ist zwischen diesen Bereichen eine feste Tür, die einen Durchschlupf hat, gerade so groß, dass ein Schwein durchpasst. Davor hängen noch Streifenvorhänge aus Gummi, um die kalte Luft vor allem nachts draußen zu halten. Den Rest erledigen die Schweine selber durch ihre eigene Körper-Temperatur, denn wenn alle 60 Schweine im Stall sind erwärmen die den Stall auf 7-9 Grad – bei eiskalten Temperaturen draußen. Das reicht für unsere robusten Schweine. Außerdem haben die eine 20-30 cm dicke Strohdecke, um sich vor Kälte von unten zu schützen. Wenn dann noch alle Schweine dicht nebeneinander (teils übereinander) liegen, wärmen die sich perfekt  gegenseitig.
Also keine Bange, denen geht es auch im Winter gut! Die 30 Grad-Tage im Sommer machen den Schweinen mehr Probleme – ehrlich gesagt!

Und wer jetzt vermutet, dass die Schweine sich im Winter nur drinnen verkriechen liegt total falsch. Denn auch bei -10 Grad geht es nach draußen und wenn die Sonne scheint suchen die Schweine sich draußen ein schönes Plätzchen zum Sonnen-Baden im Winter. Wellness pur!
Ihr glaubt das nicht: schaut‘s euch an – die lieben den Winter eher wie den Sommer!

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